Zum Inhalt springen

Preise im Salon: Mit Minutenkosten richtig kalkulieren

Von der Konkurrenz übernommene Preise lassen trotz vollem Terminbuch oft kaum Gewinn übrig. So kalkulieren Sie jede Leistung aus Minutenkosten, Material, Provision und Zielgewinn.

· 5 Min. Lesezeit

Preise im Salon: Mit Minutenkosten richtig kalkulieren

Das Terminbuch ist voll, das Team erschöpft, und abends sieht die Kasse ordentlich aus. Doch wenn Miete, Löhne und die Farbrechnung bezahlt sind, bleibt am Monatsende weniger übrig, als die Arbeit wert ist. In vielen Salons ist der Grund derselbe: Die Preise wurden irgendwann festgelegt, indem man schaute, was die Salons in der Nachbarschaft verlangen, und seitdem nur nach Gefühl angepasst.

Der Preis der Konkurrenz ist ein Anhaltspunkt, mehr nicht. Sie kennen weder deren Miete noch deren Auslastung oder die verwendete Farbmarke. Mit der folgenden Methode ermitteln Sie, was jede Leistung Sie tatsächlich kostet, Minute für Minute, und kommen mit Provision und Gewinnziel zu einer Preisliste, die Sie sicher vertreten können.

Kalkulieren Sie ab Ihrer Minute, nicht ab der Preisliste nebenan

Was ein Salon eigentlich verkauft, ist Zeit: Minuten auf einem Stuhl, in einer Kabine, in den Händen einer Fachkraft. Miete, Nebenkosten, Buchhaltung und feste Gehälter laufen weiter, ob ein Termin gebucht ist oder nicht. Die erste Frage jeder soliden Kalkulation lautet deshalb: Was kostet mich eine Minute meines Salons?

Kennen Sie diese Zahl, können Sie einen Föhnservice von 30 Minuten und eine Coloration von zwei Stunden nach derselben Logik bepreisen und erkennen, welche Leistungen Ihr Geschäft tragen und welche still Geld kosten.

Schritt 1: Ermitteln Sie Ihre Minutenkosten

Addieren Sie zunächst die Fixkosten eines Monats. Nehmen wir einen Salon mit vier Plätzen:

  • Miete und Nebenkosten der Fläche: 4.500 €
  • Strom, Wasser, Heizung, Internet: 1.500 €
  • Feste Gehälter inklusive Arbeitgeberanteil: 11.000 €
  • Steuerberatung, Software, Reinigung und Sonstiges: 1.000 €

Summe: 18.000 €. Nun zu den tatsächlich verkauften Stunden. Vier Plätze an 26 Tagen im Monat mit je 9 Öffnungsstunden ergeben 936 Platzstunden Kapazität. Kein Salon ist jedoch zu 100 Prozent ausgelastet. Bei rund 64 Prozent Auslastung verkaufen Sie etwa 600 Stunden.

Die Rechnung: 18.000 € ÷ 600 Stunden = 30 € pro Stunde, also 0,50 € pro Minute.

Tipp: Rechnen Sie mit der tatsächlichen Auslastung, nicht mit der Kapazität. Läge derselbe Salon bei 50 Prozent, würden nur 480 Stunden verkauft, und die Stundenkosten stiegen auf 37,50 €. Leere Plätze wirken wie ein unsichtbarer Aufschlag auf jeden Preis Ihrer Liste.

Die Auslastung sollte aus dem Kalender kommen, nicht aus dem Bauchgefühl. Im Terminkalender von sysSalon wechseln Sie zwischen Tages-, Wochen- und Raumansicht und sehen auf einen Blick, welche Plätze und Kabinen wann leer bleiben. So entspricht die Zahl der verkauften Stunden in Ihrer Kalkulation der Wirklichkeit.

Schritt 2: Materialkosten je Leistung hinzurechnen

Die Minutenkosten gelten für alle Leistungen, die Materialkosten sind dagegen leistungsspezifisch. Ein Ansatz mit Pflege bei mittellangem Haar verbraucht zum Beispiel Farbe, Entwickler, Bondschutz und Maske für 22 €. Für einen Föhnservice genügen Shampoo und Styling für 1,50 €.

Der häufigste Fehler: den Verbrauch pauschal mit „einer Tube“ anzusetzen. Farbe, die nicht grammgenau erfasst wird, verzerrt Preise und Lagerbestand gleichermaßen. In sysSalon hinterlegen Sie bei jeder Leistung Preis, Kosten und Dauer und verknüpfen die verwendeten Produkte so, dass sie automatisch vom Bestand abgebucht werden. Regal und Preisliste greifen damit auf dieselben Zahlen zurück.

Schritt 3: Provision und Zielgewinn in die Formel einbauen

Erhalten Ihre Mitarbeitenden Provision auf Leistungen, ist dieser Satz ein Anteil am Preis, nicht an den Kosten. Auch Ihren Zielgewinn sollten Sie als Anteil am Preis betrachten. Die Formel lautet:

Preis = (Dauer × Minutenkosten + Materialkosten) ÷ (1 − Provisionssatz − Zielgewinnsatz)

Bei 15 Prozent Provision und 25 Prozent Zielgewinn beträgt der Teiler 0,60. Vergleichen wir zwei Leistungen:

LeistungDauerZeitkostenMaterialKalkulierter Preis
Ansatzfarbe + Pflege120 Min.60 €22 €≈ 137 €
Föhnen30 Min.15 €1,50 €≈ 27,50 €

Die Probe: Bei einer Coloration für 137 € beträgt die Provision rund 20,55 €, Zeit und Material machen 82 € aus. Übrig bleiben etwa 34,45 €, also 25 Prozent des Preises. Verlangt dieser Salon für das Föhnen nur 24 €, geht bei jedem einzelnen Termin der Großteil des Zielgewinns verloren. Bei 15 Föhnterminen am Tag summiert sich diese Lücke auf deutlich über tausend Euro im Monat.

In sysSalon legen Sie den Provisionssatz jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters im Personalprofil fest. Steht der Satz fest, stützen sich Preisformel und Provisionsgespräche auf dieselbe Zahl. Alle Beträge verstehen sich ohne Mehrwertsteuer; schlagen Sie diese in Ihrer Preisliste gesondert auf.

Und wenn der kalkulierte Preis deutlich über dem Markt liegt?

Liegt das Ergebnis klar über dem örtlichen Preisniveau, sollten Sie den Preis nicht einfach anheben. Prüfen Sie zuerst drei Stellschrauben:

  1. Zeit: Dauert die Leistung wirklich so lange? Kann der Platz während der Einwirkzeit für eine andere Kundin genutzt werden?
  2. Material: Lässt sich dasselbe Ergebnis mit genauerer Dosierung oder einem anderen Lieferanten erzielen?
  3. Auslastung: Wer ruhige Stunden füllt, senkt die Minutenkosten aller Leistungen auf einmal.

Kurze Checkliste vor der Preiserhöhung

  • Haben Sie die tatsächlichen Kosten der letzten drei Monate verwendet statt Zahlen aus dem Gedächtnis?
  • Stammt die Auslastung aus dem Kalender?
  • Entspricht die Dauer jeder Leistung der echten Zeit inklusive Vorbereitung und Reinigung?
  • Beruhen die Materialkosten auf aktuellen Einkaufspreisen?
  • Haben Sie alle Leistungen markiert, die derzeit Verlust bringen?
  • Drücken Rabatte bei Paketen und Aktionen Sie unter Ihren Zielgewinn?

Begründen Sie eine Preisanpassung Ihren Kundinnen und Kunden gegenüber kurz und ehrlich: Produktqualität, Fachzeit, Servicestandard. Wenn Stammkunden noch einige Wochen zum alten Preis kommen dürfen, gewöhnen sie sich an den neuen, ohne dass die Beziehung leidet. Kleine, geplante Anpassungen ein- bis zweimal im Jahr stoßen auf weit weniger Widerstand als ein plötzlicher großer Sprung.

Fazit: Ihre Preisliste sollte eine Rechnung sein, keine Schätzung

Profitable Preise entstehen aus Ihren eigenen Zahlen, nicht aus dem Schaufenster der Konkurrenz: Minutenkosten, Material, Provision und Zielgewinn. Sind diese vier Größen einmal geklärt, wissen Sie, welche Leistungen Sie ausbauen, welche Sie neu bepreisen und wie Sie eine Erhöhung überzeugend erklären.

Um Leistungsdauer, Kosten, Bestände und Provisionssätze an einem Ort zu verwalten, starten Sie mit dem kostenlosen sysSalon-Plan – ohne Kreditkarte und ohne zeitliche Begrenzung. Wünschen Sie eine Vorführung für Ihren Salon, fordern Sie eine Demo an, oder sehen Sie sich alle Module auf der Funktionsseite an.

Titelfoto: John Diez / Pexels

#Preiskalkulation #Minutenkosten #Salon-Rentabilität #Preiserhöhung #Salonführung

Ähnliche Beiträge

← Alle Beiträge